Soziale Fragen werden oft in der Öffentlichkeit aus einer Opferperspektive gesehen; täglich hören wir von leeren Sozialkassen, deren beitragsfinanziertes System veraltet sei. Gerade aktuell ist dies bei der Gesetzlichen Krankenversicherung zu vernehmen.
Unsere Bevölkerung werde immer älter; hierauf sollten wir stolz sein, statt darüber zu jammern. Zudem werde die Erwerbsarbeit immer weniger. Als Schlussfolgerung hieraus werden Leistungskürzungen gefordert. Armut nimmt zu. Auf der anderen Seite ist der private Reichtum in Deutschland sprunghaft angestiegen. Trotzdem wird, auch unter Hinweis auf die Zinslast, öffentliche Daseinsvorsorge abgebaut. Doch dies folgt keiner zwingenden Logik, dies ist so gewollt, da in Deutschland Rendite mittlerweile mehr zählt als öffentliche Daseinsvorsorge und demokratische Mitbestimmung.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beteiligen sich trotz ständiger Leistungskürzungen an der Finanzierung des Gemeinwesens. Doch viele sogenannte Leistungsträger und jene, die von Geld- und Vermögenseinkommen leben, gehören auch zu unserer Gesellschaft. Wir brauchen ihren angemessenen Beitrag für eine moderne Bildung, für die Gesundheitsvorsorge, für Pflege und Rente.
Bildung, Gesundheit, die Vorsorge fürs Alter, die Verantwortung für ein selbst bestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen, kurz: der soziale Zusammenhalt aller - das ist die wirkliche Innovationskultur unserer Gesellschaft. Daran müssen sich alle, entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit beteiligen. Wenn sich Freiheit und Gerechtigkeit gegenseitig auf den Füßen stehen, dann hat die Politik ihre Aufgabe, Weichen für die Zukunft der sozialen Sicherung und der sozialen Produktivität zu stellen, verfehlt.
Ich bin deshalb sehr angetan von den unbestechlichen und oft auch ganz praktischen - Einsprüchen des Sozialverbandes Deutschlands. Ich denke da nur an den Einsatz für die Betriebsrenten. Zu Ihrem lebendigen Verantwortungsgefühl für den solidarischen Ausgleich von Lebenschancen kann ich nur sagen: Machen Sie unbeirrt so weiter!
Die Stimme des Sozialverbandes Deutschlands wird gebraucht.
Viel Erfolg für die weitere Arbeit!
Elfriede Abel-Graap