24. Juli 2010 DIE LINKE. Ortsverband HSW

Weseler Ortsverband setzt Themenschwerpunkt im Bereich Kinder, Jugendliche, Schule & Bildung

Programm 2009 - 2014

Die anderen Parteien führen zwar Parolen im Mund wie “Bildungsrepublik Deutschland” oder “Kinder sind unsere Zukunft”, aber sie stellen alles unter den Vorbehalt der Finanzierbarkeit. Faktisch wird so die Zukunft unserer Kinder, unser aller Zukunft kaputtgespart! Wir glauben, dass der Erhalt und Ausbau der Bildungsinfrastruktur für die Zukunftsperspektive der Stadt wesentlich ist. Er muss Vorrang erhalten!

Bildung im Elementarbereich: für starke, freie, selbstbewusste Kinder!

Die Kindertagesstätten und Krippen sind nicht nur Betreuungs-einrichtungen, sie legen die Grundlagen für späteres erfolgreiches Lernen. DIE LINKE. will Kindertagesstätten und Krippen, die nicht verwahren, sondern Räume schaffen, in denen Kinder von klein auf zu kompetenten und mündigen Menschen heranwachsen: stark, frei, selbstbewusst und sozial eingestellt.

Im Gegensatz dazu weist das Kinderbil­dungsgesetz (KiBiz) in die falsche Richtung. Mit ihm werden Qualitätsstandards abgebaut, Elternbeiträge erhöht und das Personal pre­kären Beschäftigungsverhältnissen ausgesetzt. Das alles geschieht auf Kosten der Kinder, der Eltern, der Kommunen und vor allem der ErzieherInnen. 

l  Die Stadt Wesel trägt die Verantwortung für die wohnortnahe, bedarfsdeckende und qualifizierte Versorgung mit Kindertagesstättenplätzen.

l Sie hat besondere Verantwortung für Elterninitiativen im Bereich von Kindertageseinrichtungen, indem den Einrichtungen bei den durch KiBiZ anfallenden Verwaltungsaufgaben geholfen wird und ihnen Personal bei Engpässen zur Verfügung gestellt wird.

Sie hat die Pflicht, die Eltern über die Rechtsansprüche auf Kinderbetreuung zu informieren, insbesondere auch unsere ausländischen Mitbürger.

l  Sie hat die Verantwortung dafür, dass alle Kinder spätestens im letzten Jahr vor der Einschulung einen Kindergarten besuchen.

l  Betreuungs- und Öffnungszeiten sollten eine Berufs­tätigkeit von  Müttern und Vätern ermöglichen, auch wenn diese ungünstige Arbeitszeiten oder zeitraubende Arbeitswege haben. Dies zu gewährleisten kann die Stadt nicht den freien Trägern überantworten. Deshalb fordern wir die Stadt auf, zu prüfen, ob eine städtische Kindertagesstätte in zentraler Lage möglich und nötig ist, in welcher im Schichtdienst bei Bedarf eine Betreuung vom frühen Morgen bis zum späten Abend und ggfs. auch Nacht- oder Notfallbetreuung gewährleistet ist.

Grundschulen wohnortnah: kurze Beine - kurze Wege!

l  Die Aufhebung der Grundschulbezirke wird in Wesel durch die Verwaltung in eine richtige Richtung abgefedert. Trotzdem gibt es in Wesel Grundschulen die aufgrund ihres Umfelds, der Herkunft vieler ihrer Schüler in einer schwierigen Situation sind. Das zeigt sich auch deutlich an den Übergangsquoten nach der vierten Klasse. Der Bildung von sogenannten „Ghettoschulen“ muß mit allen Möglichkeiten entgegengewirkt werden. Die LehrerInnen dort benötigen die Unterstützung der Politik.

l  Ein besonderes Problem sind die Grundschulen in den Vororten, die kaum die Mindestschülerzahl für eine Klasse erreichen – wir fordern alles zu tun, um sie zu erhalten. Deshalb muß sich der gesamte Stadtrat beim Land dafür einsetzen, die starren Mindestklassengrößen aufzuheben und die Regel für die Lehrerzuteilung mindestens für kleine Schulen zu ändern. Geringere Jahrgangsstärken müssen für bessere Bildung genutzt werden!

l  DIE LINKE will einen geregelten, pädagogisch sinnvoll gestalteten Ganztagsunterricht für alle Schüler. Die Offenen Ganztagsschulen sind ein Schritt in die richtige Richtung und sollen weiter ausgebaut werden. Sie dürfen sich nicht auf die Betreuung der SchülerInnen beschränken, sondern die individuellen Talente müssen entdeckt und ausgebaut werden. Gleichzeitig müssen schwächere SchülerInnen in professionelle Fördermaßnahmen kommen. Hier fordern wir konkret die Einstellung von PädagogInnen, allerdings nicht in prekären Arbeitsverhältnissen. 

Migrantenkinder brauchen spezielle Förderung!

Eine wesentliche Grundlage für Migrantenkinder ist der muttersprachliche Unterricht, denn hier werden zuerst die Sprachstrukturen entwickelt, die das Kind dann auch auf die deutsche Sprache und weitere Fremdsprachen übertragen lernt. Außerdem wird mit differenzierter Sprachentwicklung auch das Denken differenzierter. Dazu brauchen die Schulen Unterstützung und Fortbildungen.

Längeres gemeinsames Lernen nützt allen Schüler/innen! - „Eine Schule für alle“!

In der Bildungsforschung gibt es mittlerweile übereinstimmend die Forderung, dass längeres gemeinsames Lernen besser ist für ALLE Schüler/innen. Die PISA-Ergebnisse haben gezeigt: Die Trennung in sog. leistungsschwache und leistungsstarke Schüler/innen ist nicht erfolgreich, denn kein anderes Land hat eine solch große Kluft zwischen der Leistung der oberen und der unteren Gruppen. Die Länder mit einheitlichen Schulsystemen haben sowohl bessere Spitzenleister als auch ein höheres Niveau bei leistungsschwachen Schüler/innen als Deutschland. Der Unterricht im Klassenverband wird dafür stärker individuell differenziert.

Das bestehende dreigliedrige Schulsystem bedeutete in der Konsequenz vor allem eine soziale Selektion der Kinder und Jugendlichen. Diese soziale Benachteiligung spiegelt sich auch in Wesel. Zum Beispiel liegt die Quote der Abiturienten mit Migrationshintergrund landesweit nur bei 10,3%. In Wesel dagegen beträgt sie 4,2 % (Zahlen aus dem Kinder-und Jugendbericht 2005). Ein besonderer Grund, gegenzusteuern.

Die Stadt kann das Schulsystem nicht ändern. Aber sie hat Möglichkeiten die Nachteile abzumildern.

l  Ganztagsunterrricht ist der richtige Weg, er muß ausgebaut und systematisch genutzt werden zur Förderung der Schüler 

l  Allen Kindern, die dies wollen soll der Besuch der Gesamtschule ermöglicht werden

l  Die Schulen im Zentrum Nord und in der Innenstadt liegen nahe zusammen. Eine gemeinsamme Nutzung der Räume, der Ausstattung, der personellen und pädagogischen Möglichkeiten würde sich anbieten – wird aber kaum genutzt. Die Stadt sollte die Initiative ergreifen und die Schulen dabei unterstützen für alle Kinder die Möglichkeiten optimal zu nutzen.

l  Jahrgangs- und schulformübergreifende Arbeits- , Interessen- und Fördergruppen sollten geprüft werden.

l  Die Jugendhilfe muß intensiv bei Problemen mit den Schülern, Eltern und den Schulen zusammenarbeiten.

l  Kein Kind darf aufgegeben werden – kein Kind ohne Abschluß die Schule verlassen.

Oberstufenzentren schaffen ein vielfältiges Wahlangebot in der Gymnasialen Oberstufe

Die beiden Gymnasien in Wesel haben vor einigen Jahren endlich eine Kooperation im Bereich der Leistungskurse erreicht. Diese Kooperation auf verschiedene Grundkurse auszuweiten würde die Möglichkeiten der Schüler und der Schulen erheblich erweitern.

Wir fordern, auch die gymnasiale Oberstufe der Gesamtschule an dieser Kooperation zu beteiligen. Und es sollte geprüft werden, ob das Berufskolleg Wesel mit einbezogen werden kann. Die Stadt müsste die Verantwortung für die Organisation übernehmen und die Schulen mit Verwaltungspersonal unterstützen.

Unsere Perspektive für die Weiterentwicklung der Schullandschaft ist ein Oberstufenzentrum für Wesel.

Grundrecht auf Ausbildung

DIE LINKE unterstützt die DGB-Initiative „Ausbildung für alle“ für ein Grundrecht auf Ausbildung. Die Situation der Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, ist nach wie vor katastrophal. Nach unserer Auffassung hat die Kommune hier eine besondere Verantwortung gegenüber allen Jugendlichen.

Jugendpolitik

Die Stadt Wesel hat bereits ein vielfältiges Angebot an Jugendeinrichtungen, in denen gute Arbeit geleistet wird. Aber auch hier ist der Rotstift angesetzt worden, sodass zum Beispiel in der Innenstadt das JZ Karo sein Angebot im kulturellen Bereich zurückfahren musste. Gleichzeitig wurde das Haus am Dom vor geraumer Zeit geschlossen.

Die derzeitge Situation in der Jugendkultur ist geprägt vom Phänomen des „Abhängens“. Dies stößt bei Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung und dadurch wird Jugendlichen in Wesel Raum genommen. Auch die Bindung an Institutionen ist nicht mehr so ausgeprägt wie vor Jahren. Dem setzen wir entgegen, dass in der Innenstadt ein neues freies soziokulturelles Zentrum entstehen soll, wo die Jugendlichen die Möglichkeit haben ihren Lebensraum selbst zu gestalten. Beispiele aus den Nachbarstädten zeigen, dass solche Zentren stark frequentiert werden, weil in ungezwungender Atmosphäre Jugendkultur ohne Meckern der älteren Generationen gelebt werden kann. Hier fordern wir, dass die Stadt Möglichkeiten und geeignete Räumlichkeiten sucht. Ein Vorschlag wäre zum Beispiel die Dudelpassage.